Geschichte von Glashütte Original



Mehr als 165 Jahre Glashütter Uhrmachertradition

Die kontinuierliche Fortführung und Weiterentwicklung des Uhrenbaus seit den ersten Anfängen hat maßgeblich zum heutigen Erfolg der Marke Glashütte Original beigetragen. Ausgestattet mit einem Darlehen der sächsischen Regierung gründet Ferdinand Adolph Lange im Jahre 1845 das erste Uhrenunternehmen in Glashütte - einem Ort, der fast vier Jahrhunderte vom Silberbergbau geprägt wurde. Das Ziel ist eine unabhängige sächsische Uhrenindustrie.



Große Uhrmachermeister kommen
nach Glashütte

Enthusiastisch folgen in den fünfziger Jahren Meister ihres Fachs wie Adolph Schneider, Moritz Großmann und auch Julius Assmann. In seiner »Deutschen Anker-Uhrenfabrik« entstehen im Laufe der Jahrzehnte viele weltweit prämierte Zeitmesser. Aufgrund der nachgewiesenen Ganggenauigkeit erwirbt auch der norwegische Polarforscher Roald Amundsen im Jahr 1910 eine der Beobachtungsuhren und erreicht ein Jahr später als erster Mensch den geographischen Südpol.

 
 

Die typische Glashütter Präzisionstaschenuhr

Der Plan sieht zunächst eine »einfache, aber mechanisch vollkommene Taschenuhr« vor. Beim damaligen »Verlagssystem« greifen die Manufakturen auf arbeitsteilig erzeugte Einzelteile ortsansässiger Zulieferer zurück. Circa 1865 ist die Glashütter Präzisions-Taschenuhr mit den typischen Merkmalen wie Glashütter Dreiviertelplatine, Goldanker(-rad) und Chatons sowie dem dekorativen Sonnenschliff ausgereift. Diese Uhr wird 80 Jahre lang nahezu unverändert gefertigt.

 
 

Präzision im Groß- und Kleinformat

Auch die Glashütter Pendeluhren stehen für außergewöhnliche Präzision, besonders jene aus den »Mechanischen Werkstätten Strasser & Rohde« - von Ludwig Strasser und Gustav Rohde gegründet. Die Präzisionspendeluhren finden Anwendung in Sternwarten, Instituten und Uhrenfirmen, in Taschenuhren und Marinechronometer zu regulieren. Strasser erlangt zudem großen Einfluß durch seine Lehr- und Direktorentätigkeit an der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte.

 

 

 

Die Deutsche Uhrmacherschule Glashütte

Die große Nachfrage nach den Glashütter Präzisionsuhren erfordert immer mehr qualifizierte Fachleute. Im Namen des Zentralverbandes der Deutschen Uhrmacher eröffnet Moritz Großmann am 1. Mai 1878 die »Deutsche Uhrmacherschule Glashütte«. Sehr schnell erlangt die Schule ein hohes Renommee durch herausragende Absolventen und Lehrmeister wie Alfred Helwig. Dieses Erbe pflegt Glashütte Original seit 2002 mit einer nach Helwig benannten Uhrmacherschule.

 

 

»Original Glashütte«

Karl W. Höhnel kennzeichnet bereits 1916 erstmalig eine seiner Pendeluhren mit dem Schriftzug »Original Glashütte«. Auch die am 9. November 1918 ins Handelsregister eingetragene »Deutsche Präzisions-Uhrenfabrik Glashütte (Sa.) e.G.m.b.H.« verwendet diesen Herkunftsnachweis in ihrer Schutzmarke und ab 1921 auch auf ihren Taschenuhren, um die Glashütter Qualitätserzeugnisse von den Nachahmungen aus dem Ausland (z.B. »System Glashütte«) abzuheben.

 
 

Das Fliegende Tourbillon

Mit der Entwicklung des Fliegenden Tourbillons wird ein Lehrer der Uhrmacherschule berühmt: Alfred Helwig. Er lagert sein Tourbillon auf nur einer Seite, zwei Lager in geringem Abstand führen die Räderwelle. Drehgestell und Hemmung können ohne oberen Kloben eingesetzt werden. Der Blick auf das Drehgestell ist damit frei, es scheint zu fliegen. Zudem ist das Drehgestell von Druck entlastet und kann sehr zart ausgeführt werden. Die Konstruktion erzielt beste Gangresultate für tragbare Präzisionsuhren.

 

 

 

Rohwerke und Armbanduhren

In Glashütte entstehen zwei neue Unternehmen: Aufgrund der steigenden Nachfrage werden erstmalig in Glashütte Armbanduhren-Rohwerke durch die UROFA gefertigt, die aus der Glashütter Präzisionsuhrenfabrik hervorgeht. Die UFAG komplettiert und vertreibt die Uhren. Das große »G« und der Ortsname Glashütte bilden das prägnante Markenzeichen der UFAG.

 

 

 

 

 

»Glashütte Original«

Aus dem Jahr 1927 stammt eine Damenarmbanduhr, bei der zum ersten Mal in der Glashütter Historie der Zifferblattaufdruck »Glashütte Original« zu lesen ist.

 

 

 

VEB Glashütter Uhrenbetriebe

Am 1. Juli entsteht der VEB Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) durch Fusion dieser ortsansässigen Firmen: UROFA, Ufag, VEB Lange (ehemals A. Lange & Söhne), VEB Feintechnik, VEB Messtechnik (ehemals R. Mühle & Sohn), VEB Estler, VEB Präzision Glashütte und die Berufsschule Makarenko. Fehlende Importmöglichkeiten verlangen eine weitgehende Autonomie in der Fertigung. Zu den ersten Konstruktionen zählt das Chronographen-Kaliber 64 auf Basis des UROFA-Kalibers 59.

 

 

Funktionalität in zeitlosem Design

In den sechziger und siebziger Jahren entsteht ein breites Sortiment an Damen- und Herrenarmbanduhren mit zeitlosem Design und guter Alltagstauglichkeit. Zentrale Sekundenanzeige, Datumsanzeige, Stoßfestigkeit, automatischer Aufzug und erhöhte Gangleistung zählen zu den wichtigen Merkmalen.

 

 

 

 

Handaufzugkaliber 70.1 und 70.3

Die Kalibergruppe 70 wird Anfang der sechziger Jahre entwickelt. Zu der Gruppe gehört das Kaliber 70.1 und das mit vergoldeter Schraubenunruh und Chronometer-Prüfzertifikat ausgelieferte Kaliber 70.3.

 

 

 

Die »Spezimatic«

Mitte der Sechziger werden die weitgehend identischen Herrenuhrenkaliber 74 (Automatik) und 75 (Automatik und Datum) vorgestellt. Das Uhrwerk der sogenannten „Spezimatic“ überzeugt mit einer sehr niedrigen Bauhöhe von nur 4,4 Millimetern und einem Durchmesser von 28 Millimetern.

 

 

 

 

Die »Spezichron«

1978 erscheint das Modell »Spezichron« - erstmals mit Anzeige von Wochentag und Datum sowie kugelgelagertem Rotor. Diese Modelle werden bis Mitte der Achtziger Jahre gefertigt.

 

 

 

 

Glashütter Marinechronometer

Klassische mechanische Marinechronometer haben in Glashütte eine lange Tradition. Viele von ihnen gehen als Exportgüter in die ganze Welt. Bis 1978 werden circa 13.000 mechanische Marinechronometer in der sächsischen Uhrenstadt gefertigt.

 

 

Das Aufkommen der Quarzuhren

Trotz der großen Nachfrage nach Quarzmodellen stellen die Glashütter nicht ihre komplette Produktion um – im Gegensatz zu vielen Unternehmen im Ausland. Ab Mitte der Siebziger entstehen die ersten quarzgesteuerten Marinechronometer. 1978 beginnt mit dem Kaliber 31 eine neue Ära in der Armbanduhrenfertigung, die Herstellung von Quarzuhren. Es folgen mehrere Generationen von Damenuhren und in den Achtzigern auch Herrenuhren mit 2-Zeiger-Werk bzw. Analog-Digital-Uhrwerk.

 

 

 

Glashütter Uhrenbetrieb GmbH

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1990 wird aus dem VEB Glashütter Uhrenbetriebe die Glashütter Uhrenbetrieb GmbH. Das Unternehmen ist der offizielle Rechtsnachfolger aller früheren selbstständigen Uhrenbetriebe, wie sie bis 1951 in Glashütte bestanden. Seit 1994 steht der Markenname „Glashütte Original“ als Herkunftssiegel für feinen deutschen Uhrenbau in höchster Fertigungstiefe.

 

 

 

Auf dem Weg zur renommierten Luxusmarke

Zum ersten Mal wird im Jahre 2000 eine Glashütte Original mit dem begehrten Titel »Uhr des Jahres« geehrt: Die Leser des Fachmagazins »Armbanduhren« und der »Welt am Sonntag« wählen den Senator Klassik »Ewiger Kalender« auf den 1. Platz. Im Oktober schließt sich die Manufaktur der Swatch Group AG an, ein wichtiger Schritt für das Wachstum von der renommierten lokalen Marke hin zur weltweiten Luxusmarke.

 

 

Eine Garantie für die Zukunft

Nach dem erfolgreichen Start der Uhrmacherausbildung im Jahr 2001 wird am 12. September 2002 die neue „Glashütte Original Uhrmacherschule Alfred Helwig" eröffnet. Mit diesen hochqualifizierten Uhrmachern soll zukünftig der Fortbestand der traditionellen Uhrmacherkunst in Glashütte gesichert werden. Bei einem erfolgreichen Abschluß der Ausbildung wird jedem Absolventen ein Arbeitsplatz in einem Unternehmen der Swatch Group AG garantiert.

 

 

Die neue Erlebniswelt

Das neu gestaltete Manufakturgebäude wird am 08. September 2003 eröffnet. In 13 Monaten ist eine moderne Fertigungsstätte entstanden, die ein deutliches Zeichen für Innovationsgeist und Zukunftsorientierung setzt. In dieser transparenten Erlebniswelt erwartet die Besucher ein emotionsgeladener Lehrpfad, der an allen Fertigungsbereichen vorbeiführt und direkte Einblicke in die faszinierende Arbeit der Manufaktur gewährt.

 

Kulturelles und soziales Engagement

2004 verleiht die Manufaktur erstmalig den Glashütte Original Musikfestspielpreis an den berühmten Dirigenten und Kapellmeister Prof. Kurt Masur. Die Auszeichnung würdigt das besondere Lebenswerk eines Künstlers, der sein Wirken den musischen Künsten gewidmet und diese über Jahrzehnte weiterentwickelt hat. Seit 2009 wird er an einen Künstler verliehen, der sich um die Förderung junger Nachwuchstalente besonders verdient gemacht hat.

 

 

Zum Raum wird jetzt die Zeit

Im Rahmen eines großen Festaktes wird das Deutsche Uhrenmuseum Glashütte am 22. Mai 2008 offiziell eröffnet. Im Einklang mit den Zielen der Stiftung »Deutsches Uhrenmuseum Glashütte – Nicolas G. Hayek« hat Glashütte Original einen Ausstellungsparcours entwickelt, der die wechselhafte Geschichte Glashüttes ebenso vermittelt wie Aspekte des Zeitgefühls und der Zeitmessung. Nur fünf Monate später heißt das Museum den 25.000 Besucher willkommen.

 

 

Neue Perspektiven

Glashütte Original wird bei der 61. Berlinale erstmals Co-Partner der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Als Erbe einer mehr als 165 Jahre alten Tradition unterstützt die sächsische Uhrenmanufaktur aktiv das größte kulturelle Event Berlins sowie die Kunst des Filmemachens. Der 2012 ins Leben gerufene »Made in Germany – Förderpreis Perspektive« ist mit 15.000 Euro dotiert und unterstützt Regietalente aus Deutschland bei ihren zukünftigen Projekten.

 

 

 

Markante Zeichen der Zeit

Mit der Grande Cosmopolite Tourbillon präsentiert die Manufaktur Glashütte Original im Jahr 2012 das außergewöhnlichste und raffinierteste Meisterwerk der Firmengeschichte. In Dresden wird eine manufaktureigene Boutique eröffnet und in Glashütte eine neue Fertigungsstätte am Frühlingsweg eingeweiht.